auf du und du mit dem wal

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Tiaki ist der größte Pottwal vor Kaikoura, Manu hat eine besonders auffällige Fluke, und Noodle hat seinen Namen daher, dass er immer nur für zwei Minuten auftaucht, um Luft zu holen (die normal sind fünf bis zehn Minuten, was auch für den Walbeobachtungstourismus netter ist), so lange wie eine in NZ besonders populäre Nudelsorte zum Garkochen braucht. Dann  gibt es noch Little Nick und Big Nick und viele andere, die uns während der Tour in einer Präsentation vorgestellt wurden, deren Namen ich aber vergessen habe. Die Crew von Whale Watch Kaikoura ist „on first-name terms“ mit den riesigen Stammgästen vor der Küste Kaikouras.

Warum es vor Kaikoura so viele Meeressäuger gibt, habe ich ja schon erläutert. Nachmittags, nach unserem Date mit den Pelzrobben, ging es dann zum Whalewatching. So eine Fahrt verläuft wie folgt: Nach dem Erwerb des Tickets bekommen wir im Briefing Room – noch an Land – eine Einweisung in Sicherheitsfragen und Tipps gegen Seekrankheit. Die Erwartungen werden geerdet: Im Durchschnitt sieht man pro Tour 1-2 Wale, mehr ist die Ausnahme. Sieht man keinen, kriegt man 80 Prozent des Preises zurückerstattet oder darf kostenlos nochmal mitfahren. Dann geht es für ein paar Minuten in einen  Bus, der die Walneugierigen zum Bootsanleger bringt. Dort besteigen wir dann einen Katamaran mit kraftvollem Motor, der uns in flottem Tempo mit ordentlich Gehoppel in die Gewässer über dem Kaikoura Canyon bringt, jenem Tiefseegraben, den die Wale so gemütlich finden.

Ist das Boot in einer potenziell walträchtigen Gegend angekommen, schaltet der Skipper den Motor ab, alle strömen raus und ein Mitglied der Crew hängt sich mit einem überdimensionalen Hörrohr über Bord, um den Wal zu orten. Gleichzeitig gucken der Skipper und der Rest der Crew angestrengt aufs Meer hinaus, um vielleicht ganz ohne Gesänge einen zu sichten.

Hat der Lauscher was gehört, heißt es, schnell wieder die Sitzplätze einnehmen, weil es dann in halsberecherischem Tempo dorthin geht, wo der Wal zuletzt geschnalzt hat. Dann wieder abbremsen, Motor aus, und alle rennen raus. Das klingt jetzt ein bisschen albern. Aber in der Tat lohnt sich das Gerenne, denn so ein Pottwal ist ein sehr erhabener Anblick. Ganz anders als die verspielten Delphine flößt das Riesentier unweigerlich Respekt ein, auch wenn im eigentlichen Sinne nicht viel passiert: Nach einem Tauchgang von 40 bis 60 Minuten hängt der graubraune Riese für  5 bis 10 Minuten an der Oberfläche ab und reichert seine Muskeln mit Sauerstoff an. Dann streckt er sich, krümmt sich, zeigt seine Fluke und – taucht wieder ab.

Wir treffen Tiaki, den größten der Pottwalbullen vor Kaikoura, schon nach einer halben Stunde an. Danach werden noch zwei andere geortet, aber wir sind jedes Mal zu spät – bis wir an der richtigen Stelle ankommen, sind sie schon wieder abgetaucht. Doch am Ende der Tour gibt sich Tiaki nochmal die Ehre, zeigt uns zuerst seinen Buckel und dann erneut die Fluke. Dort auf dem Schiff zu stehen und den riesigen Meeressäuger zu beobachten, hat fast etwas Meditatives.

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Texterin, Redakteurin, Kolumnenschreiberin und Rumreiserin.
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1 Kommentar

  1. Nils von der Elbe on

    Klingt ja super! Freue mich, dass Ihr es schön habt – und ich mitlesen darf.  :-)  Übrigens: an der Elbe schneit es heute Nacht leicht bei minus zwei Grad – und das auch noch komplett walfrei.