spontan oder geplant? wie sieht die optimale reiseplanung aus?

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Eine Frage, die zu unserer USA-Rundreise im Sommer häufig kam, war: „Wie habt Ihr die Reise denn geplant – hattet Ihr alles vorgebucht oder seid Ihr einfach losgefahren?“ Und die ganze Zeit dachte ich: super Thema für einen Blogbeitrag. Hier ist er.

Es gibt ja Menschen, die Reisen – vor allem Rundreisen – gern akribisch vorplanen. Also die Route vorab bestimmen und dann alle Unterkünfte und womöglich auch Aktivitäten am jeweiligen Ort im Voraus festlegen. Das andere Extrem sind jene, die außer dem Hin- und Rückflug nichts planen und sich täglich treiben lassen, morgens vielleicht noch gar nicht wissen, wo es hingehen soll und dann erst vor Ort gegen Abend spontan schauen, wo sie ein Dach über dem Kopf finden (Wohnmobilisten und Camper lassen wir mal aus, die haben das Dach ja dabei).

Welche Faktoren bestimmen eigentlich den Grad der Reiseplanung? Bzw. was spricht für eine lückenlose Planung und was dagegen? Ich hab mal darüber nachgedacht – hier kommen meine Überlegungen:

Faktoren, die eine genaue Planung begünstigen oder sogar notwendig machen, sind:

  • Die Reise führt in ein Land oder in Regionen, die touristisch nur wenig erschlossen sind und dementsprechend nur wenige Unterkünfte bieten.
  • Du reist in der absoluten Hauptsaison, sodass kurzfristig nichts Passables zu finden ist (irgendwelche verwarzten Löcher weit weg vom eigentlichen Ziel gibt es ja immer, sind für dich aber keine Option).
  • Du brauchst einen gewissen Mindestkomfort, um dich wohlzufühlen (s. o.).
  • Es stresst dich einfach, morgens noch nicht zu wissen, wo du abends schlafen wirst, und/oder du reist mit Kind(ern).
  • Dein Budget ist klar definiert bzw. knapp.
  • Genaue Planung macht dir Spaß und erhöht deine Vorfreude.
Spontanreisen hingegen werden hierdurch begünstigt:

  • Du fährst in eine gut erschlossene Gegend mit vielen Unterkünften.
  • Du reist außerhalb der Schulferien bzw. lokalen Hochsaison.
  • Komfort ist dir nicht so wichtig oder: Er ist dir zwar wichtig, aber es ist dir fast egal, was es kostet.
  • Es macht dir nichts aus, notfalls auch bis spätabends nach einer Unterkunft zu suchen.
  • Du möchtest flexibel auf Einflussfaktoren reagieren und die Route notfalls umwerfen können (Wetter, Empfehlungen von Insidern, spontane Unlust/Erschöpfung/Energieschub/sonstiges).
  • Du hast keine Lust oder Zeit, frühzeitig zu planen und zu buchen.

Unsere Rumreiserei bewegt sich irgendwo dazwischen. Die allererste Idee für unsere USA-Tour lautete „Golfküste, New Orleans und irgendwie ein bisschen Südstaaten“ :-).

Vorab gebucht: Hin- und Rückflug, erste Hotelübernachtung, Mietwagen

Wir hatten lediglich den Gabelflug (hin nach Miami, zurück ab Atlanta), die erste Nacht in Naples und den Inlandsflug von New Orleans nach Atlanta vorgebucht, der grobe Tourplan vor der Abreise sah in etwa so aus: „Von Naples an der Westküste Floridas hoch bis St. Petersburg, dann rüber nach Orlando. Von dort an die Atlantikküste und diese weiter hoch, eventuell bis Savannah. Dann wieder Richtung Westen, an der Golfküste entlang bis New Orleans. Dort mindestens vier Tage, dann Flug nach Atlanta, noch ein paar Tage dort und dann in die Smokys.“

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Nicht auszudenken, wenn wir das verpasst hätten!

Sanibel Island hatten wir vorab als Ziel im Auge, aber z. B. Crystal River entstand spontan auf Sanibel bei einer Bootstour, als das Stichwort „Seekühe“ fiel und der Liebste sich an einen Artikel erinnerte, in dem über das Schwimmen mit den Dicken in Florida berichtet wurde. Das haben wir recherchiert und so landete Crystal River auf dem Tourplan :-). Dann trafen wir uns in St. Petersburg mit einer seit einigen Jahren dort lebenden Kollegin, die uns noch Tipps und Empfehlungen gab. So kam es, dass wir am Atlantik nur St. Augustine anschauten und auf die Orte weiter nördlich verzichteten. Stattdessen fuhren wir nach Apalachicola an der Forgotten Coast, was wunderschön war. Auch Pensacola Beach war eine spontane Wahl – eigentlich hatte uns jemand Destin empfohlen, aber wir wollten noch näher an New Orleans ran, weil wir dort dann direkt – ohne weiteren Zwischenstopp – hinfahren wollten.

New Orleans war vorab geplant, aber das Hotel haben wir von unterwegs aus gebucht. Die letzte Woche wollten wir in Atlanta und den Great Smoky Mountains verbringen, wobei wir die Reihenfolge in New Orleans umgeworfen haben, weil wir nach dieser intensiven Stadt doch lieber zuerst ins Grüne wollten (ursprünglich hatten wir es andersrum geplant). Wie die tatsächliche Tour am Ende der Reise dann gelaufen ist, kannst du hier anschauen.

Und, wie war das?

Es liegt uns nicht so sehr, Wochen oder gar Monate im Voraus alles genau zu planen. Dass man manche Sachen dann nicht machen kann, weil man sie vorbuchen muss: geschenkt. Da können wir ganz gut loslassen. Wir haben Unterkünfte zwischen einem und mehreren Tagen vor Ankunft gebucht, das passte dann gut zu unserem Sicherheitsbedürfnis, ließ uns aber genug Freiraum, die Route zu verändern. Einen Nachteil hatte das Ganze jedoch: Ich habe fast jeden Abend am Rechner verbracht. Entweder habe ich gebloggt oder Unterkünfte recherchiert. Und letzteres nervte manchmal ein bisschen, zugegeben.

Unterm Strich war für uns diese Art des Reisens aber prima, weil wir halbwegs spontan entscheiden konnten, was als nächstes kommt. Eins der absoluten Highlights, das Schwimmen mit den Seekühen, hätten wir wohl verpasst, wäre unsere Route schon vorab in Stein gemeißelt gewesen.

Und wie ist das bei dir? Spontan oder geplant oder irgendwas dazwischen? Ich freue mich über Kommentare!

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Texterin, Redakteurin, Kolumnenschreiberin und Rumreiserin.
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4 Kommentare

  1. Ein schöner Anlass, über das eigene Prä-Reiseverhalten zu sinnieren. Ich verreise mit viel Planung und etwas Raum für Spontanität. Die Planungsbereitschft liegt einerseits an einigen der bevorzugten Ziele, gerne Südostasien. In Myanmar war z. B. an bestimmten Orten keine Unterkunft mehr zu bekommen, außer im Kloster. Das bedeutet dann, um 4.30 Uhr singen, auf dem Boden schlafen und Ähnliches. Ist sicher schön und ursprünglich, wenn man es mag, aber ich dann eher nicht. Außerdem ist das Reisen von A nach B ohne Planung in macnhen Ländern recht schwierig, da Busse gerne mal ausgebucht sind oder selten verkehren. Dabei bleibt immer noch genügend Raum, um die eigene Flexibilität zu testen. Z. B. wenn dann der gebuchte Flug vom laotischen Luang Nam Tha nach Vientane ausfällt, weil die Mindestpassagierzahl nicht erreicht wird. Oder das Frühstück bei zarten 12 Grad im Freien stattfindet. Aber auch bei Städtereisen plane ich einiges vor, z. B. weil ich unbedingt in in ganz spezielles Restaurant oder zu einer bestimmten Veranstaltung möchte. Ohne Reservierung bzw. vorausschauendem Ticketkauf ist das qnichts zu bekommen. Zwischendrin bleiben immer noch Zeitinseln, um einer urplötzlichen Eingebung zu folgen oder einfach gar nichts zu tun. Im Zweifelsfall lasse eine geplante Aktivität auch tollkühn ausfallen :-)

    • … klingt nach einer optimalen Mischung aus Planung und Spontaneität :-). Klar, wenn die Ziele keine kurzfristigen Aktivitäten hergeben, geht es nicht anders. Bei dem, was Du von bestimmten Veranstaltungen oder Restaurants schreibst, beißt sich bei uns die Katze in den Schwanz: Mangels Vorplanung wissen wir davon dann häufig gar nichts :-)). Ich glaube, bei meiner Planungsaversion kommt einfach auch mein Deadline-Junkietum ins Spiel. Ich reduziere die Vorplanerei dann auf das Nötigste und verschiebe das Vorhaben, jetzt aber mal die Reise ordentlich zu planen, immer wieder. Und manchmal eben bis zum Hinflug ;-). Ich würde es gern anders handhaben, schaffe es aber oft einfach nicht.

  2. Wir haben für unsere 6-monatige Weltreise die „großen“ Flüge vorab gebucht, weil dies die Bedingung für ein „Round-the-world-Ticket“ ist – und das wiederum günstiger ist, als alle Flüge einzeln zu buchen. Darüber hinaus haben wir nur eine einzige Unterkunft schon von zu Hause aus vorgebucht, und zwar auf Bali, weil wir da über die Weihnachtstage waren – gleichzeitig mit halb Australien :-)
    Wir finden das perfekt so, weil 1. in Südostasien überall jede Menge Unterkünfte zu haben sind (Vorbuchen ist geradezu unüblich), 2. spontanes Kürzer- oder Längerbleiben (wie in Laos geschehen – daher musste Kambodscha ausfallen) oder Woandershinfahren-als-eigentlich-vorgehabt kein Problem ist, 3. der Weg beim Gehen entsteht, die Reise auf diese Weise also spannender wird.
    Deshalb planen wir auch vor Ort nur grob, indem wir frühestens zwei Tage vor Ankunft überlegen oder googeln, was wir dort unbedingt machen wollen. Und das ist oft gar nicht viel. Ich liebe es, einfach irgendwo zu sein und Leute zu gucken, Atmosphäre aufzunehmen.
    Obwohl einige Traveller uns vorab geraten haben, blooooß nicht die Variante „Round-the world“ mit fest gebuchten Flügen zu wählen, weil man dann sooo festgelegt sei, sind wir bisher (Beginn von Monat 3 der Reise) sehr zufrieden damit. Da wir sechs Monate lang mehr oder weniger in den Tag hineinleben, tut uns das bisschen Struktur eines festen Weiterflugs ganz gut. Wo es so toll ist, dass und der Abschied schwerfällt, fahren wir eben irgendwann nochmal hin.

    • Das, was du schilderst, würde auch in etwa meinem Reiseverhalten entsprechen (wobei ich Asien überhaupt nicht kenne und das somit gar nicht beurteilen kann). Ich hab spontan auch gedacht, dass mir das Vorbuchen der Flüge schon fast zu viel Struktur sein könnte, finde deine Argumentation aber auch schlüssig. Euch noch ganz viel Spaß auf der Reise – und vielleicht treffen wir uns ja wirklich in NZ? Falls Ihr Napier auf der Liste habt, meldet euch unbedingt vorher!